Trennung und Scheidung
Merkblatt zur Trennung und Scheidung

Stand: März 2012

Die Scheidung oder eine Trennung stellt ein emotionaler Tiefpunkt im Leben dar. Zusammengeschweisstes wird auseinandergerissen, ein Paar, das sich einst das Ja-Wort gegeben hat, hasst sich nun meist. Gemäss Bundesamt für Statistik ist die Scheidungsrate im Jahr 2009 wieder unter die 50%-Marke gefallen, der Trend zu diesem Schritt ist aber wohl auch in Zukunft nicht zu bremsen. Die Scheidungsoption stellt ein Produkt unserer zivilisierten Multioptionsgesellschaft dar, das den Scheidungswilligen auch in traditionellen Institutionen wie der Ehe nicht verwehrt, Selbstbestimmung auszuüben.

Die Trennung

Vorerst gilt es das Trennungs- vom Scheidungsverfahren zu unterscheiden. Eine Trennung geht einer Scheidung zumeist voraus, sie bedingt aber nicht die Scheidung. Für eine Trennung genügt es, wenn sich die Ehegatten entscheiden, nicht mehr zusammen im gleichen Haushalt zu wohnen. Eine Genehmigung eines Richters ist dafür nicht nötig. Ratsam kann ein Gang zum Richter hingegen sein, wenn für den einen Ehepartner oder für Kinder ein Unterhaltsbeitrag festgelegt werden soll. Gleichzeitig wird dann auch die Obhut der Kinder geregelt.

Das Scheidungsverfahren

Beim Scheidungsverfahren bestehen grundsätzlich drei verschiedene Varianten zur Auswahl. Die erste Art ist die Scheidung auf gemeinsames Begehren. Die Ehegatten reichen dem Gericht eine Konvention ein, worin sämtliche Punkte geregelt werden. Der Richter muss sie genehmigen, wenn nicht offensichtlich ein Partner benachteiligt wird.

Zweite Variante ist die Teileinigung. Dabei sind sich die Parteien zumindest einig, dass sie scheiden wollen. Bei den Modalitäten (z.B. Sorgerechtsregelung Kinder, Unterhalt, Güterrechtsangelegenheiten) sind sie sich jedoch nicht einig, beide beantragen dem Gericht, dies zu regeln.

Die dritte und letzte Variante stellt die Scheidung im Klageverfahren dar, wobei ein Partner gegen den Willen des anderen die Scheidung durchsetzen kann. Unumgängliche Voraussetzung dafür ist, dass die Ehepartner mindestens schon zwei Jahre getrennt leben – und zwar in verschiedenen Haushalten. Wird diese Frist nicht eingehalten, kommt nur eine der ersten Varianten in Frage. Die 2-Jahresfrist darf nur dann ausser Acht gelassen werden, wenn der Zustand des Verheiratetseins für einen Ehepartner unzumutbar ist – dies ist relativ selten der Fall.

Was der Anwalt im Trennungs- und Scheidungsverfahren beitragen kann

Zuletzt stellt sich die Frage, ob die anwaltliche Vertretung im Trennungs- oder Scheidungsverfahren Sinn macht. Vorab ist zu bemerken, dass für diese Verfahren gesetzliche Prozesse vorgesehen sind, worin der Richter eine verstärkte Frage- und Untersuchungspflicht hat. Der Richter ist also verpflichtet – im Gegensatz zu anderen Zivilverfahren – den Sachverhalt von Amtes wegen abzuklären. Diese Tatsache erleichtert es den Parteien, einen Prozess ohne anwaltliche Unterstützung führen zu können.

Nichtsdestotrotz ist es vielfach von Vorteil, auf eine professionelle juristische Unterstützung zählen zu dürfen. Ein Trennungs- oder Scheidungsverfahren stellt meistens eine hohe emotionale Belastung für eine Person dar. In dieser Situation stellt der juristische Rat oder die juristische Vertretung eine Erleichterung dar. Ausserdem ist es für den Trennungs- oder Scheidungswilligen damit möglich, eine objektive Einschätzung über die eigenen Begehren im Trennungs- oder Scheidungsstreit zu kriegen. So erleichtert es das Vorgehen auch emotional sehr, wenn Wünsche zuerst mit dem eigenen Anwalt abgesprochen werden, bevor man im Prozess dann allenfalls die Einschätzung der Gegenpartei oder des Gerichts vernehmen muss, dass die Wünsche utopisch sind.

Sind in der aufzuteilenden Gütermasse ausserdem Grundstücke oder Unternehmen enthalten, wird die Zuteilung bald zu einem sehr komplexen Problem, das auch andere Bereiche des Rechts mit umfasst (bspw. Steuer- und Unternehmensrecht). Liegt ein internationaler Sachverhalt vor (ein Partner ist bspw. nach der Trennung ins Ausland abgereist), scheint die anwaltliche Vertretung aufgrund der sich stellenden Rechtsfragen unumgänglich.

Ein Anwalt kann zu Beginn der Auseinandersetzung auch durchaus im Hintergrund wirken und bspw. bei der Ausarbeitung einer Scheidungskonvention beratend mitwirken.

Sollten innerhalb eines Trennungs- oder Scheidungsverfahrens die Frage auftauchen, ob es Sinn macht, eine anwaltliche Unterstützung aufzusuchen, ist ein klärendes Gespräch mit dem Anwalt der erste Schritt. So kann analysiert werden, ob tatsächlich juristische Unterstützung sinnvoll oder nötig ist. Die meisten Anwälte bieten derartige Erstberatungen zu einem reduzierten pauschalen Preis an.

Dr. Andreas Dudli, Rechtsanwalt

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